Frühjahr 2/2005
An der Grenze warteten die kongolesischen Frauen der COCAFEM. Bis alle Frauen ihre Stempel im Pass hatten und die Grenze passieren konnten, dauerte es einige Stunden. In Goma erlebten wir einen Schock: Die ganze Stadt ist bedeckt von einem erstarrten Lavastrom. 2002 wurde die bereits vom Krieg verarmte Stadt Goma zu zwei Dritteln von einem Vulkanausbruch verwüstet. Besonders schockierend war für mich, dass ich davon nichts wusste. Denk Dir, es wäre in Europa geschehen - da wären sofort Hilfsaktionen gestartet, die Medien hätten berichtet… In Goma musste man sich selbst helfen. An vielen Stellen hat man neue kleine Häuschen und Einkaufsschuppen gebaut. Fließendes Wasser gibt es nicht, es muss in Eimern von weit her geholt werden. Eine Flasche Wasser kostet 3 Dollar.
Unser Seminar wurde vom Gouverneur eröffnet, das sollte unsere Sicherheit garantieren - auf Grund der Unruhen im Gebiet war abends Ausgehverbot.
Ausgangspunkt der Diskussion war ein Zitat der norwegischen Friedensforscherin Birgit Brock-Utne: Mit Frieden meinen wir die Abwesenheit von Gewalt in jeder gegebenen Gesellschaft, physisch sowohl als psychisch, direkte oder indirekte Gewalt…
Weitere Informationen:
www.worldmarchofwomen.orgZum Weiterlesen:
Ute Scheub: Friedenstreiberinnen. Elf Mutmachgeschichten aus einer weltweiten Bewegung. Psychosozialverlag Gießen 2004.
Porträts von Frauen, die mit herausragendem Engagement Friedensprozesse vorantreiben: in Afghanistan, Bosnien, Großbritannien, Indien, Irak, Israel-Palästina, Kolumbien und Ruanda. Sie schützen Flüchtlinge, unterstützen traumatisierte Kriegsopfer, schulen Menschen in gewaltfreier Konfliktbearbeitung, blockieren Atomwaffenlager, bringen Kriegsverbrecher vor Gericht oder organisieren politische Lobbyarbeit bei der UNO. Ein mutmachendes Buch!
Linda Melvern: Ruanda. Der Völkermord und die Beteiligung der westlichen Welt. Diederichs-Verlag München 2004.
Die britische Menschenrechtlerin und Journalistin stellt in ihrer fundierten Dokumentation fest, dass der Völkermord an Tutsi, mit einer Million Toten, nicht einfach Folge eines ethnischen Konflikts ist. Die Toten und Lebenden sind auch Opfer der Gleichgültigkeit der westlichen Länder gegenüber der sogenannten Dritten Welt.
Ausgetauscht wurden Erfahrungen aus den jeweiligen Ländern, berichtet über die Situation in bewaffneten Konflikten und die zunehmende sexualisierte Gewalt gegen Frauen. Amnesty spricht von ca. 40.000, die von den Rebellen in DR Kongo vergewaltigt wurden.
Es wurden aber auch Friedensbestrebungen und Frauenstrategien geschildert, um sich einander zu helfen: Besuche, kleine Projekte, Organisation in größeren Gruppen, um mehr Einfluss zu erhalten, um gegen den Krieg der Männer zu protestieren. In Ländern mit geringer Frauenrepräsentation wird vor allem Lobbyarbeit und Beratung der Politiker geleistet.
Beschrieben wurden die negativen Auswirkungen der Militarisierung auf die Gesellschaft: zunehmende Gewalt, vor allem die sexualisierte Gewalt gegen Frauen: „Wenn die stärkste Armee der Welt (die der USA) die Zivilbevölkerung (im Irak) nicht schützen kann, so kann uns eine zunehmende Militarisierung keine Sicherheit gewährleisten“.
In unserem Resolutionsvorschlag heißt es u.a.: „Wir stellen fest, dass es überall in der Welt physische und psychische Misshandlungen und sexuelle Gewalt gegen Frauen gibt. Wir sehen den Grund für diese Gewalt in dem tief verwurzelten patriarchalen System, wo Frauen marginalisiert und deren Bedürfnisse und Rechte auf Grund ihres Geschlechts nicht anerkannt werden. Die Militarisierung in der Welt nimmt in Folge des „Krieges gegen den Terrorismus“ zu und hat enorme negative Folgen für Frauen: Vergewaltigungen, Folter, Entführungen, Frauenhandel, Prostitution, Verstümmelung und Mord. (... ) Wir fordern den Generalsekretär der UNO Kofi Annan auf, Maßnahmen zu ergreifen, um die UNO Resolution Nr. 1325, die die Mitwirkung von Frauen auf allen Beschlussebenen der Konflikthandhabung stärkt, in allen Mitgliedsländern durchzusetzen. Wir fordern die internationale Gemeinschaft auf, uns im Kampf gegen die sexuelle Gewalt zu unterstützen und Maßnahmen zu ergreifen, um die sexuelle Gewalt zu verhindern“.
Kerstin Schultz
Geburtstag
Edith Sitwell (1887-1964) englische Schriftstellerin