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Frühjahr 2/2005

Comics für die westliche Welt

Marjane, das Alter Ego der in Frankreich lebenden, iranischen Comic-Zeichnerin Marjane Satrapi, ist erwachsen geworden.

Im ersten Band haben wir sie kennen (und lieben) gelernt, als kleines Mädchen aus einer linken, gebildeten Familie, aufgewachsen in Teheran, mit Berufswunsch Prophetin und engem Draht zu Gott. Der sieht aus wie Marx und kommt schon mal auf einen Tee vorbei. Im ersten Band ging es zum Beispiel um ihre Sorgen ob des kranken Knies der Großmutter, um ihre Rebellion gegen das Kopftuch und um ihren kindlichen Stolz auf den Onkel - den Helden - der unter dem Schah ins Gefängnis kam. Nun ist der zweite Band des autobiographischen Comics erschienen. Von ihren Eltern auf Dauer nach Wien geschickt, verschlägt es Marjane bald in ein christliches Wohnheim. Es dauert nicht lange, bis sie sich mit den Nonnen überwirft – für Fundamentalismen fehlt ihr eben jedes Verständnis. Sie erlebt Freundschaft und erste Lieben, aber auch Fremd-Sein und Rassismus. Schließlich kehrt sie zurück in den Iran – fürs erste. Mehr sei nicht verraten.

Marjane Satrapi: Persepolis – Eine Kindheit im Iran. Edition Moderne Zürich 2004 (22 Euro) sowie Persepolis – Jugendjahre. Edition Moderne Zürich 2005

Wie schon im ersten Band hat die Leserin teil an Marjanes sehr persönlichem Blick auf die bitteren und absurden Momente des Alltags im Iran und im wiener Exil. In klaren, prägnanten Bildern zeichnet Satrapi die Komplexität der sozialen und politischen Situation im Iran, erzählt von seiner Historie und den Schrecken der Kriege gegen den Irak. Sie zeichne, so Satrapi, ihre Familiengeschichte als Antwort auf die Klischees über den Iran, für jene westliche Welt, die vor lauter Kopftüchern die Vielfalt der realen Gesichter nicht sehe.

Melanie Stitz


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