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Frühjahr 1/2005

1945: Befreiung und Verantwortung

Titelseite Wir Frauen 01/2005Wehret den Anfängen! Das ist Lehre und Verpflichtung, die wir aus den Gräueln des Nationalsozialismus ziehen, darin sind wir uns einig. Genau hinsehen und –hören, skeptisch bleiben gegenüber Verallgemeinerungen und achtsam, wenn uns allzu leicht ein „Feindbild“ angeboten wird. Doch was heißt das heute, hier und im Konkreten? Engagiert und mitunter kontrovers haben wir in der Redaktion diskutiert. Die aktuelle Debatte um „den“ Islam, um Integration und „Multi-Kulti“, um Musliminnen und Muslime scheint uns vielfach geprägt von einfachen Antworten, Pauschalisierungen und hoher Emotionalität. Nur zum Vergleich: In Sachen Christentum wird durchaus unterschieden, in einem bunten Spektrum, das von Opus Dei bis zur Theologie der Befreiung reicht - oder von Dorothee Sölle bis zu Joachim Meisner. Im besten Sinne nachdenklich gemacht haben uns die Beiträge von Ulla Jelpke zur gezielten Diskriminierung von Musliminnen und Muslimen sowie Cristina Fischers Artikel über die den Nationalsozialismus relativierenden Aussagen Alice Schwarzers. Beide Beiträge haben wir daher in den Schwerpunkt aufgenommen.

Wie haben Frauen 1945 erlebt? Waren sie alle Opfer, wie es in vielen Medien beschrieben wird, von der Vertreibung im Osten über die Bombardierungen gegen Zivilisten bis zu Vergewaltigungen von Frauen bei Kriegsende? Mitte Januar verglichen noch sächsische NPD-Abgeordnete das Bombardement in Dresden mit dem Holocaust. In den historischen Auseinandersetzungen wird nicht mehr nach Schuld und Verantwortung gefragt, sondern nach dem eigenen Erleben und Befinden: „Die frühere, schwer zu beantwortete Frage, ‚was hätte ich getan‘, kehrt sich um - ‚was hat man mir getan‘“ (M-Arning, FR 24.1.05). Mit Medienbildern über die NS-Zeit und Frauen in Kriegszeiten setzt sich der Artikel der Kommunikationswissenschaftlerin Dr. Martina Thiele auseinander. Die Schriftstellerin Erika Runge erinnert sich an die damaligen Bombardements in Potsdam. Noch im Mai 1945 starben viele deportierte Frauen auf den Todesmärschen, an Krankheiten und Entkräftung. Für die Überlebenden wurde der Frühling 1945 als Jahr der Befreiung erlebt. Viele aber mussten lange Jahre schweigen und das Grauenhafte verdrängen, um zu überleben. In Frankreich und in der Tschechoslowakei wurden die Zurückkehrenden als Heldinnen gefeiert, im Franco-Spanien dagegen verfolgt und in die Illegalität gedrängt, in der Bundesrepublik als Verräterinnen betrachtet – entschädigt wurden sie nicht.

In ‚Stimmen von Frauen zur Befreiung‘ dokumentieren wir, wie Ravensbrück- Deportierte aus Spanien, Frankreich, der Tschechoslowakei und Deutschland die Befreiung erlebten.

Ergänzt haben wir den Schwerpunkt um Aussagen von Zeitgenossen, die durch ihre Gleichsetzungen den Nationalsozialismus relativieren und damit die Ungeheuerlichkeiten verharmlosen.

Leider können wir aus Platzgründen die ungehaltene Rede der PDS-Abgeordneten Adelgunde Kahl im Düsseldorfer Rathaus nicht abdrucken. Als Alterspräsidentin hätte sie den in der NRW-Kommunalwahl im Amt bestätigten Oberbürgermeister vereidigen dürfen. Auf die erneute Vereidigung verzichtete OB Erwin, vielleicht weil er sich von einer mahnenden Antifaschistin nicht den Eid abnehmen lassen wollte...

Melanie Stitz und Florence Hervé


Inhalt dieser Ausgabe (Gesamte Ausgabe als PDF - 2,1 MB)


... und immer wieder mit neuer Kraft..."

Anna Saefkow, genannt Aenne

Astrid Wolters, Historikerin, Mitarbeiterin der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf


Die umstrittene Erinnerung

Der 60. Jahrestag der Befreiung des Frauen-KZ Ravensbrück

Cristina Fischer


Die Arbeitsgemeinschaft "Frauen im Exil"

Inge Hansen-Schaberg


Stimmen von Frauen zur Befreiung

Florence Hervé


Großangriff auf Potsdam April 1945

Erika Runge


Frauen in Zeiten des Krieges

Martina Thiele


Gezielte Diskrimierung

Ulla Jelpke


Die orientalische Gefahr

Cristina Fischer


Infos zum Schwerpunkt



Andere Länder

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Notizen vom Friedenstreffen in der Demokratischen Republik Kongo

Kerstin Schultz


Weltfrauenmarsch 2005

Florence Hervé


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Kommentar

Wann ist ein Schwan ein Schwan?

Gaby Kullbach


Kultur

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Comics für die westliche Welt

"Persepolis" von Marjane Satrapi

Melanie Stitz


Schneckentanz

Mechthilde Vahsen


Kaffee und Kuchen in der Vorhölle

Erika Manns Kurzgeschichten aus dem Alltag im Dritten Reich

Mithu M. Sanyal


Trennlinie

Herstory

Be a black femal communist and be proud of it - Angela Davis

Birgit Gärtner


Daten und Taten

Louise Michel

Florence Hervé


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