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Winter 04/2004

„Gesundheit hat ein Geschlecht, sie ist männlich oder eben weiblich!“

Enquete-Kommission legt Abschlußbericht vor

Die Enquete-Kommission „Zukunft einer frauengerechten Gesundheitsversorgung in NRW“ des Düsseldorfer Landtags legte im September 2004 ihren Abschlußbericht vor. Drei Jahre lang beschäftigten sich Abgeordnete aller Fraktionen und ein breiter Kreis von ExpertInnen aus dem Gesundheitswesen damit, zum einen die Defizite in der Gesundheitsversorgung von Frauen in NRW aufzuzeigen, zum anderen Beiträge zu ihrer Beseitigung zu erarbeiten.

Lange hat man in der Medizin keine oder kaum geschlechtsspezifische Unterscheidungen im gesundheitlichen Präventions- und Versorgungsbedarf vorgenommen. Ein bekanntes Beispiel sind die Wirkung und Verträglichkeit von Arzneimitteln: Der weibliche Organismus nimmt den Wirkstoff anders auf als der männliche. Wenn ÄrztInnen hier nicht differenzieren, kommt es u.U. zu Fehldosierungen. Der Pharmaindustrie kommt die Aufgabe zu, differenziert zu forschen. Dazu gehören die vermehrte Einbeziehung von Frauen in klinische Studien, eine geschlechtssensible Auswertung der Analysedaten und geschlechtsspezifische Empfehlungen. Ebenso wichtig ist eine Differenzierung nach den Lebenslagen der PatientInnen. Das medizinische Personal sollte eine Unter-, Über- oder Fehlversorgung einzelner Patientengruppen vermeiden.

Der Bericht erschien im VS Verlag für Sozialwissenschaften Wiesbaden unter der ISBN-Nummer 3-531-14414-6.

Handlungsorientiert und in erfreulich allgemeinverständlicher Sprache werden die LeserInnen des Abschlußberichts durch zahlreiche Problemgebiete weiblicher Gesundheitsversorgung geführt, u.a. Frauen und Arzneimittel, psychosoziale Lage von Brustkrebspatientinnen, Frauenerwerbsarbeit und Gesundheit, Versorgung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Belastungen und Ressourcen von Müttern sowie psychische, psychosomatische und psychosoziale Gesundheit von Migrantinnen.

Die Arbeit der Enquete-Kommission verdient große Anerkennung, da eine systematische Beschäftigung mit den spezifischen gesundheitlichen Belastungen von Frauen in unterschiedlichen Lebenssituationen wie –phasen in diesem Umfange noch ausstand. Es bleibt zu hoffen, daß vom Abschlußbericht zahlreiche Impulse für einen fruchtbaren Dialog zwischen Politik, AkteurInnen und BürgerInnen ausgehen. Zum Wohle der Frauen!

Sonja Vieten


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