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Winter 4/2005

Femme Globale – Geschlechterperspektiven im 21. Jahrhundert

Internationaler Kongress 8. - 10. September 2005

Veranstalterinnen dieser internationalen Konferenz waren das Zentrum für Transdisziplinäre Geschlechterstudien der Humboldt-Universität zu Berlin (ZTG) und die Heinrich Böll Stiftung (HBS) in Zusammenarbeit mit 26 verschiedenen Organisationen und Institutionen aus Geschlechterdemokratie, Entwicklungszusammenarbeit, Umwelt, Globalisierung, Arbeit, Frieden, Bildung, Gesundheit, Migration. Sie luden ein zu einem umfangreichen Programm, das Podiumsdiskussionen, zahlreiche Vorträge sowie über 30 Workshops anbot.

Ziel der Femme Globale war es, einen kritischen Rückblick auf die Pekinger Frauenkonferenz von 1995 und die Umsetzung der dort verabschiedeten Aktionsplattform zu fordern. Die gezogene Bilanz ist alles andere als zufriedenstellend, zumal in diesem Jahr eine UN- Frauenkonferenz abgesagt wurde.

Auch sollte festgestellt werden, inwieweit das Konzept des Gender-Mainstreamings implementiert wurde.

Das ZTG der HU zu Berlin, dem alle Lehrenden sowie Studierende der Gender Studies angehören, beschäftigt sich mit der Verknüpfung von geschlechterpolitischer Handlung im politischen Sinne und wissenschaftlicher Auseinandersetzung mit diesen Themen. Gender Studies sind zu einem Knotenpunkt vieler Wissensfelder geworden, die sonst kaum miteinander in Beziehung treten. Zugleich wurden sie auch zu einem Begegnungsort einer politisch engagierten Studentenschaft, die sich der Trennung vom wissenschaftlichen „Elfenbeinturm“ und der aktuellen Politik vehement widersetzt und es vielmehr darauf anlegt, politische Fragen- nicht nur der Geschlechtergerechtigkeit, auch sozialer Gerechtigkeit, des Rassismus, der religiösen Differenz – in den universitären Kontext hineinzutragen.

Die Auslandsbüros der Heinrich-Böll-Stiftung fördern gezielt lokale Frauenorganisationen und nationale Nichtregierungsorganisationen (NRO`s). Für nähere Informationen siehe www.glow-boell.de oder www.femme-globale.de.

Die über 1000 Anmeldungen zeigen, dass gender in den unterschiedlichsten Bereichen des öffentlichen und privaten Lebens „angekommen“ ist und diese kritisch prägt. Gewiss, die Themenfelder, mit denen Feministinnen heute konfrontiert sind – die Panels des Kongresses spiegeln die Vielfalt wider: neben Gender-Mainstreaming, Frieden und Sicherheit, Biopolitik, Informationsgesellschaft, Globalisierung, Migration und Zukunft der Arbeit, Fundamentalismus (östlicher wie westlicher Art) – sind groß, fast nicht mehr zu überblicken. Beispielhaft wurde am Freitag darüber diskutiert, dass von einer konsequenten betrieblichen Gleichstellungspolitik mit geschlechterdemokratischen Komponenten in der BRD keine Rede sein kann. Die Zahl der Unternehmen, die betriebliche Chancengleichheitspolitik initiieren, wächst nur langsam an; in kleinen und mittleren Unternehmen gibt es kaum nennenswerte Aktivitäten. In diesem Workshop wurden Wege sowie Erfolgsfaktoren aufgezeigt und zukünftige Handlungserfordernisse herausgearbeitet.

Am Samstag stand u.a. Geschlechtergerechtigkeit und Nachhaltigkeit auf dem Tagungsplan: wurde in der Aktionsplattform der 4. Weltfrauenkonferenz das Thema Frauen und Umwelt noch in einem eigenen Kapitel behandelt, so stehen heute Umwelt und Nachhaltigkeit bei frauenpolitischen Organisationen oder im Rahmen von allgemeinen Gender-Mainstreaming-Debatten eher selten auf der Tagesordnung. Hier treffen sich Umweltbewegte mit Geschlechtergerechtigkeitskämpferinnen und diskutieren Realität und mögliche Visionen sowie Ansatzpunkte für eine neue feministische geschlechter- und umweltpolitische Bewegung in Europa. Globales und Lokales werden dabei gemeinsam betrachtet. „Geschlechterpolitik und Geschlechtergerechtigkeit können unter den Bedingungen der Globalisierung nur noch transnational verstanden und analysiert werden“, erklärt Barbara Unmüßig, Vorstandsfrau der HBS.

Neben dem umfangreichen Tagungsprogramm gab es ein überaus spannendes Kulturprogramm aus Kurzfilmen, Ausstellungen und einer grandiosen Abschlussparty. Frau konnte sich aufgrund der Vielfältigkeit der angebotenen Themen, Workshops und parallel laufenden Podiumsdiskussionen ohnehin schwer entscheiden, einerseits wegen der hochkarätigen Rednerinnen auf den Podien und andererseits wegen der interessanten Inhalte. Wenn Frau die Wahl zwischen Babara Duden von der Universität Hannover und Christa Wichterich vom NRO-Frauenforum hat, dann fällt die Entscheidung überaus schwer.

Vor dem Kongress fand eine 10-tägige Summer School (SuSc)der HBS statt mit dem Arbeitstitel „Engendering Economic Policies in a Globalizing World: Trade Liberalization, Agriculture and Food Security.“ Zu dieser SuSc waren ca. 60 Aktivistinnen, Professorinnen und Mitarbeiterinnen der verschiedenen Regierungen aus 26 verschiedenen Nationen eingeladen, die fast alle seit Jahrzehnten Basisarbeit leisteten. Zu den verschiedenen Podiumsdiskussionen reisten zusätzlich renommierte Rednerinnen an, u.a. Jayati Gosh, Akinyi Nzioko, Christa Wichterich und Josefa S. „Gigi“ Francisco [1]. Jayati Gosh aus Indien hielt den Einführungsvortrag über „Die Krise der Landwirtschaft in den Entwicklungsländern und Frauenökonomie“. Die Tage waren angefüllt mit anspruchsvollen Informationen, angeregten Diskussionen, konstruktiven „Schlachtplänen“ und viel Spaß. Hauptanliegen dieser SuSc war die internationale Vernetzung der verschiedenen NRO`s, eine zukünftige Zusammenarbeit und ein reger Austausch.

Ich bin mit einem sehr gestärkten und enthusiastischen Gefühl aus der Summer School „rausgegangen“. Gestärkt und ermutigt den langen und oft auch zermürbenden Weg zur Gleichberechtigung der Geschlechter und globaler Gerechtigkeit zu gehen.

Patricia Baum
(Studentin der Gender Studies der Humboldt Universität zu Berlin)


[1] Zu den einzelnen Rednerinnen: Jayati Gosh ist Professorin am Zentrum für Ökonomie und Planung der Jawaharlal Nehru Universität in Neu Delhi – Indien. Sie hat als Ökonomin für die Indische Regierung gearbeitet und für zahlreiche internationale Organisationen, hat drei Bücher geschrieben und viele Artikel in unterschiedlichen Zeitschriften und Zeitungen, um nur einen Bruchteil ihrer Tätigkeiten zu nennen.

Akinyi Nzioko ist Direktorin des Zentrums für Landökonomie und Frauenrechte CLEAR, sie hat einen Doktorinnentitel in Anthropologie und Philosophie, beriet die UN Kommission für Ökonomie in Afrika und verschiedene andere Organisationen.

Christa Wichterich ist Doktorin der Soziologie und Journalistin, Buchautorin, Gastdozentin an verschieden Universitäten und Beraterin von verschiedenen Entwicklungsorganisationen.

Josefa S. „Gigi“ Francisco ist Direktorin des Institutes für Frauen und Gender des Miriam Kolleges auf den Philippinen, Koordinatorin (Asien) für das International Gender & Trade Network und Koordinatorin von DAWN für Südostasien und arbeitet noch in verschiedenen internationalen Netzwerken.


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