Winter 4/2005
Mit 92 Jahren starb Rosa Parks im Oktober in Detroit. Nur selten hat ein Mensch mit einer Aktion die Geschichte einer ganzen Nation so beeinflussen können wie diese Frau. 50 Jahre ist es her, dass Rosa Parks in einem Bus in Montgomery (Alabama, USA) nicht für einen weißen Mann aufstand und damit die amerikanische schwarze Bürgerrechtsbewegung in Gang setzte.
In den 50er Jahren war die Diskriminierung der Schwarzen in Amerika auf einem traurigen Höhepunkt. In einer scheinbar modernen und zivilisierten Nation hatte die Rassentrennung aberwitzige Formen erreicht. Schwarze Amerikaner durften nicht die selben Schulen besuchen wie weiße, durften nicht die selben Parkbänke und Aufzüge benutzen, hatten separate Plätze in Kinos und Restaurants und durften auch im Bus nicht sitzen, wo sie wollten. Der hintere Bereich der Busse war für die Schwarzen, die Weißen saßen vorne. In der Mitte gab es einen Abschnitt, in dem Schwarze sitzen durften, solange kein Weißer dort sitzen wollte. Und in eben dieser Busmitte saß Rosa Parks am 1. Dezember 1955.
Rosa Parks war 42 Jahre alt und auf dem Weg von der Schneiderei, in der sie arbeitete, nach Hause. Nur wenige Plätze waren an diesem Tag frei und so setzte sich Parks, wie drei andere Schwarze auch, in den mittleren Teil des Busses.
Als ein weißer Mann einstieg, forderte der Busfahrer die Schwarzen auf, die Plätze zu räumen - was die drei anderen auch ohne Protest taten. Nur Parks hatte an diesem Tag keine Lust mehr auf die Ungerechtigkeit, Diskriminierung und Sinnlosigkeit dieses Gesetzes und stand nicht auf. Der Busfahrer rief die Polizei und Rosa Parks wurde verhaftet.
Der damals noch weitgehend unbekannte Pastor Martin Luther King organisierte nach Parks Verhaftung und Verurteilung zu 14 Dollar Strafe den berühmten Montgomery-Busstreik. 381 Tage lang boykottierten die schwarzen Menschen die Busse in Montgomery. Die Leute um King herum führten mit Parks außerdem einen Aufsehen erregenden Musterprozess gegen die Gesetze der Rassentrennung. Der Streik und der Prozess machten weit über die Grenzen Alabamas hinaus die Grausamkeit der Apartheid sichtbar. Die Aktionen hatten Erfolg. Ein Jahr nach Parks Verhaftung erklärte der amerikanische Supreme Court das Gesetz zur Rassentrennung in Bussen als verfassungswidrig. Dieser Erfolg der Bürgerrechtsbewegung ist Rosa Parks zu verdanken.
Parks hatte sich schon vorher für die Rechte der Schwarzen eingesetzt. Aufgewachsen in Alabama besuchte sie Schulen, die ausschließlich für Schwarze waren. Nach der High School arbeitete sie als Näherin für den NAACP (National Association for the Advancement of Colored People). Die Ungerechtigkeiten der amerikanischen Gesellschaft hat sie schon früh zu spüren bekommen und so hatte sie auch den Mut und genügend Frust im Dezember 1955, um sich ohne große Bewegungen im Rücken alleine zu wehren. Allerdings hatte ihre mutige Aktion nicht nur positive Folgen. Parks wurde viele Jahre bedroht, terrorisiert und verfolgt. Für ihr Engagement bekam sie etliche Auszeichnungen, unter anderem die goldene Ehrenmedaille des Kongresses (Congressional Gold Medal of Honor), eine der wichtigsten zivilen Auszeichnungen der USA. In Chicago wurde eine Straße nach ihr benannt.
Zuletzt lebte sie in Detroit, wo sie bis 1998 für einen demokratischen Abgeordneten arbeitete.
Sonja Klümper
Geburtstag
Betty Friedan (1921) US-amerikanische Feministin, Psychologin und Sozialwissenschaftlerin