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Winter 4/2005

Dornige Rosen

"das Glück kennt nur Minuten, der Rest ist Warterei"

Im Dezember wäre sie 80 Jahre alt geworden, die Grande Dame des deutschen Films, eine der wenigen deutschen Weltstars. Sie spielte und sang am New Yorker Broadway, war der Kinostar im Nachkriegsdeutschland, international erfolgreich in Frankreich, Großbritannien, Italien, sie war Malerin und Bestsellerautorin. „Der geschenkte Gaul“, ihre Autobiographie geschrieben 1970, wurde in 17 Sprachen übersetzt ein weltweiter Bestseller. Ihr mutiges Buch „Das Urteil“, indem sie ihre Brustkrebserkrankung thematisiert, war eine Revolution in Deutschland.

Geboren in Ulm, aufgewachsen bei ihrer Mutter und dem Großvater in Berlin, nennt sie zeitlebens Berlin ihr zu Hause. Schon früh muss die Knef lernen, dass das Leben nicht nur schöne Seiten hat. Aufgewachsen in ärmlichen Verhältnissen muss sie den Haushalt führen, sie bezeichnet später ihre Kindheit als sehr hart und einsam. Als junge Frau gerät sie in russische Kriegsgefangenschaft, überlebt nur knapp. Krankheiten ziehen sich durch ihr Leben – Kinderlähmung, Meningitis, Krebs – Zusammenbrüche aufgrund seelischer und körperlicher Erschöpfung. Aber sie kommt immer wieder zurück mit Mut und Willensstärke – zwei ihrer herausragenden Eigenschaften.

Mit 17 fängt sie eine Ausbildung als Trickfilmzeichnerin in den UFA-Filmstudios an, danach besucht sie die Filmschule Babelsberg. Sie hat Engagements am Berliner Theater. 1946 spielt sie im ersten deutschen Nachkriegsfilm „Die Mörder sind unter uns“ eine ehemalige KZ-Insassin. Der Film verhilft der Knef zu internationaler Anerkennung. Nach ihrer Rolle als Prostituierte im sozialkritischen Film „Die Sünderin“, in dem sie nackt zu sehen ist, steigt ihr Bekanntheitsgrad enorm. Im prüden Deutschland der 50er Jahre löst der Film einen Skandal aus, Hollywood dagegen ist begeistert von der jungen Charakterdarstellerin. Die Knef dreht in Hollywood unter anderem mit Gregory Peck und Ava Gardner.

Sie war insgesamt dreimal verheiratet. Ihr größtes privates Glück war 1968 die Geburt ihrer Tochter Christina. In einem ihrer seltenen Interviews äußert sich Christina vorbehaltlos liebevoll über ihre Mutter: sie sei immer für sie da gewesen.

Für Hildegard Knef gab es im Leben nicht nur rote Rosen, die Dornen des Lebens spürte sie oft genug. Sie verkörperte das Bild einer starken Frau, obwohl ihre Stärke oft auf die Probe gestellt wurde. Unvergessen bleibt sie mit ihrer rauchigen Stimme nicht nur in Deutschland. Ihre Chansontexte sprachen den Menschen aus den Herzen, sie berührten die Seele.

Am 1. Februar 2002 starb Hildegard Knef mit 76 Jahren in Berlin an den Folgen einer Lungenentzündung.

Sonja Klümper


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